Eine freie Trauung in Fraureuth beginnt normalerweise mit dem Einzug des Bräutigams.
Normalerweise.
Marc wollte keinen normalen Einzug. Er bekam seinen eigenen Auftritt zu „Crazy Train“ von Ozzy Osbourne. Damit war bereits nach wenigen Sekunden klar, was Franzi und Marc mit dem Wort „Weddrock“ auf ihrer Einladung gemeint hatten.
Diese Hochzeit sollte nicht leise vor sich hinplätschern. Sie sollte rocken.
Und das tat sie.
Flowerduds statt Blumenkinder

Vor der Erich-Glowatzky-Halle in Fraureuth standen an diesem Tag keine Blumenkinder bereit. Franzi und Marc hatten Flowerduds.
Die liefen vor der Trauung durch die Reihen und verteilten kleine Schnapsfläschchen an die Gäste. Pädagogisch kann man über dieses Konzept sicher diskutieren. Für die Stimmung war es ausgesprochen wirksam.
Als ich Franzi und Marc begrüßte, waren die Gäste deshalb nicht nur gut gelaunt. Einige waren auch schon ein kleines bisschen geölt.
So muss das bei einem Weddrock-Event offenbar sein.
Dann kam Franzi.
Und sie sah umwerfend aus. Das weiße Kleid, die roten Haare und ihre Tattoos – alles passte zu ihr. Kein Kostüm, keine verkleidete Braut, sondern Franzi. Genau so sollte es bei einer freien Trauung sein.
Kennengelernt, als das Internet noch anders klang

Franzi und Marc lernten sich 2011 online kennen. Allerdings nicht bei Tinder, Instagram oder einer anderen Plattform, die heute jeder sofort auf dem Telefon findet.
Es war zwigge.de.
Wer jetzt überlegen muss, ob er davon schon einmal gehört hat, ist entweder zu jung oder hat damals in Zwickau einfach nicht gründlich genug das Internet durchsucht.
Eine Freundin hatte Franzi auf Marc aufmerksam gemacht. Gleicher Musikgeschmack, könnte passen. Also meldete sich Franzi an und wartete darauf, dass Marc endlich Kontakt aufnahm.
Er tat es nicht.
Also übernahm Franzi selbst. In ihrer ersten Nachricht fragte sie sinngemäß, warum er andere über sie ausfrage, sich aber nicht bei ihr melde.
Romantik kann sehr unterschiedlich beginnen.
Bei manchen sind es Rosen. Bei Franzi und Marc war es eine klare Ansage.
Der Rest dauerte etwas länger, entwickelte sich aber ziemlich haltbar. Aus Nachrichten wurden Treffen. Aus zwei sehr unterschiedlichen Menschen wurde ein Paar, das sich hervorragend ergänzt.
Marc ist der ruhige, planende Teil. Franzi holt ihn regelmäßig aus seiner Komfortzone. Sie ist offen, spontan und mitunter schon emotional in Flammen, während Marc vermutlich noch sachlich prüft, wo der Feuerlöscher hängt.
Genau das funktioniert bei den beiden.
Ein Antrag im Garten von Claude Monet

Bis Marc die entscheidende Frage stellte, brauchte er ein bisschen Zeit. Männer nennen so etwas sorgfältige Vorbereitung.
Der Ring war dafür sehr bewusst ausgesucht: ein antikes Stück mit Saphir und Diamanten. Den Antrag machte Marc im Frankreichurlaub im Garten von Claude Monet, am Steg des Seerosenteichs.
Das war romantisch. Sogar sehr romantisch.
Und weil Franzi Ja sagte, saßen die beiden später vor mir in Fraureuth unter einem Traubogen zwischen Birken und Maisfeld.
Es gibt schlechtere Wendungen in einer Geschichte.
Bei dieser Trauung wurde sehr viel gelacht

Eine freie Trauung darf emotional sein. Sie muss dafür aber nicht neunzig Minuten lang so ernst schauen, als würde anschließend eine Steuerprüfung stattfinden.
Bei Franzi und Marc wurde gelacht. Wahnsinnig viel sogar.
Natürlich gab es ruhige Momente. Die beiden hatten eine Erinnerungskiste vorbereitet. Wünsche der Gäste kamen hinein, außerdem eine Flasche Wein. Die Kiste wurde verschlossen und sollte ein Jahr später wieder geöffnet werden.
Eine schöne Idee, weil sie zu den beiden passte und nicht nur eingebaut wurde, weil irgendeine Hochzeitsseite behauptet, man müsse bei einer freien Trauung unbedingt ein Ritual haben.
Danach wurde es wieder sehr Franzi und Marc.
Auch beim Ja-Wort durfte der Humor nicht fehlen. Die Fragen waren persönlich, ein wenig frech und genau auf Franzi und Marc zugeschnitten.
Beide antworteten mit Ja.
Und damit war alles gesagt, was gesagt werden musste.
Der Hund brachte die Ringe
Für den Ringtausch brauchte es bei dieser Hochzeit keinen Ringkofferträger mit Fliege. Der Hund brachte die Ringe.
Das war einer dieser Momente, die man bei einer freien Trauung nicht durch eine beliebige Standardlösung ersetzen sollte. Der Hund gehörte zu Franzi und Marc. Also gehörte er auch in die Zeremonie.
Nach dem Ja-Wort, dem Ringtausch und dem Kuss kam noch der Nürnberger Brautbecher zum Einsatz. Eine alte Tradition, bei der Braut und Bräutigam gleichzeitig trinken, ohne etwas zu verschütten.
Normalerweise befindet sich darin Wasser oder Sekt.
Bei Franzi und Marc war es Gin.
Natürlich war es Gin.
Eine freie Trauung vor der Erich-Glowatzky-Halle

Der Platz vor der Erich-Glowatzky-Halle in Fraureuth wurde für die Zeremonie zu einem kleinen Trauort im Grünen. Der Traubogen hing zwischen den Bäumen, die Gäste saßen auf Bänken und direkt dahinter begann das Maisfeld.
Es war kein Schloss und kein sorgfältig angelegter Park. Es war ihr Ort für ihr Weddrock-Event.
Am Ende sprangen Franzi und Marc über einen Hochzeitsbesen ins gemeinsame Glück. Danach durfte gefeiert werden.
Und vermutlich wurde das auch getan.
Diese Hochzeit hatte Flowerduds, Schnapsfläschchen, Ozzy Osbourne, einen ringbringenden Hund und Gin im Brautbecher. Vor allem hatte sie zwei Menschen, die sich nicht für ihre Trauung verbogen haben.
Genau deshalb hat sie funktioniert.
Franzi und Marc wollten keine Hochzeit, die nur hübsch aussieht. Sie wollten eine, die nach ihnen klingt.
Die Hochzeit hat gerockt.

